Neuer Markt für neues Spielzeug
Kreativitätsworkshop
Designer aus 14 Ländern trafen sich zum VI. Unesco-Workshop in Osterode
Einfach knuffig, das bunte Fingertier. Lars hält es fest in seinen Händen und dreht es hin und her. Einige andere Jungs und Mädchen versuchen derweil mit sichtlicher Mühe, auf einer großen hölzernen Schlange, die Balance zu halten.
Kinder, die die Welt erobern wollen — auch wenn sie geistig oder körperlich behindert sind wie Lars und seine Freunde. Dass die Kleinen sich an solchen Spielen erfreuen können, verdanken sie dem Berliner Verein "Fördern durch Spielmittel — Spielzeug für behinderte Kinder". Der organisiert einmal im Jahr einen Workshop für Spielzeugdesigner, Architekten, Pädagogen und Therapeuten aus aller Welt, lässt die kreativen Köpfe 14 Tage über pfiffigen Ideen für Spiele und Spielzeug brüten.
Bei der von der Unesco geförderten Aktion sind bisher auf diese Weise über hundert neue, besonders für Menschen mit Behinderung geeignete Spielmittel entstanden. Spiele, die alle Sinne ansprechen, die Phantasie anregen und zum Spielen auffordern. Beim VI. Internationalen Unesco-Kreativitätsworkshop "Toys for Children's Rehabilitation" im September in Osterode am Harz fanden die mehr als 20 Teilnehmer aus 14 Ländern in den Harz-Weser-Werkstätten GmbH, die verschiedene Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen zwischen Harz und Weser betreiben, und den heilpädagogischen Einrichtungen der Lebenshilfe Osterode ein ideales Umfeld für die Entwicklung neuer Spielzeugideen.
Auch renommierte deutsche Designer wie Ines Frömelt von Haba nutzten die "heimatnahe" Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen. Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel als Schirmherr ließ sich auf der abschließenden Ausstellung die neuen Spielzeuge erklären und war von dem Ideenreichtum der Entwickler beeindruckt. Gabriel bot an, dass "wir dieses Projekt auch künftig gern weiter unterstützen."
Farbe ins Spiel gebracht
Als örtlicher Sponsor brachte die in Osterode ansässige Zuelch Industrial Coatings GmbH Farben ins Spiel. Die Designer erhielten von den Harzer Spezialisten für Spielzeugfarben ein speziell für den Workshop entwickeltes Kreativitätsset. Geschäftsführer Hanns-Eckard Zülch hob hervor: "Die ungiftigen Farben und Lacke sind nach EN 71 für Spielzeug zugelassen und haben sich bei der Veredelung von Holzflächen lange bewährt. Alle Produkte sind wasserverdünnbar, erfüllen auch die neuesten Anforderungen der VOC-Richtlinie, mithin der Verringerung von Lösemittelemissionen."
Hohe Flexibilität durch beliebige Mischbarkeit untereinander und verschiedene Verdünnungsgrade mit Wasser ermöglichen nach Zülchs Angaben mit wenigen Produkten eine Vielzahl von Effekten. Weiterer Vorteil: "Eine Farbe genügt, egal ob beim Entwurf, am Prototypen, in der Vorserie oder schließlich bei der Produktion. Lästige Umsetzungs- und Abstimmungsprobleme durch den Einsatz verschiedener Farben gehören damit der Vergangenheit an", bestätigte der Designer Jagan aus Indien.
"Nach solchen Farben haben wir schon seit langem gesucht", freute sich Projektleiter Falko Reinhardt und gab damit auch den Eindruck der internationalen Entwickler wieder. Eine äusserst positive Resonanz, die das Osteroder Unternehmen dazu ermutigt hat, das Kreativitätsset auch anderen Designern und Produktentwicklern aus der Spielzeugbranche zur Verfügung zu stellen. Am Rande des Workshops bedauerte die Inhaberin eines Spielzeugfachgeschäftes, dass es trotz großer Nachfrage aus Kundenkreisen kaum Spielzeug für behinderte Kinder gäbe.
Ihre Anregung dazu: "Der Fachhandel muss wesentlich stärker als bisher mit Spielen und Spielzeug für geistig und körperlich behinderte Kinder ausgestattet werden." Dass dies keinesfalls nur ein Nischengeschäft ist, wird angesichts der weltweit rund 150 Millionen behinderten Kinder und dem Aspekt, dass auch nicht behinderte Kinder damit spielen können, deutlich. Der Verein "Fördern durch Spielmittel" sucht denn auch Produzenten und Vermarktungspartner, um die internationale Verbreitung dieser Spielmittel voran zu treiben.

