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Kratzspuren im Lack

Zu hoher Bleigehalt in Farben ramponierte in den letzten Wochen das Image der Spielwarenindustrie. Ist die "böse Chemie" wirklich so böse?

Hanns-Eckard Zülch, Inhaber der Zuelch Industrial Coatings, Osterode, hält es mit Lenin: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Damit liegt der Mann, könnte man glauben, exakt auf der Linie der Verbraucherzentralen, die angesichts der jüngsten spektakulären Rückrufaktionen glauben, dass es nicht mehr reiche, "die Spielzeughersteller mit Samthandschuhen anzufassen."

Doch während letztere eine Verbesserung der Marktüberwachung fordern und die Politik bereits über eine Nivellierung der EN 71 schwadroniert, sieht Zülch erst einmal den Ball bei der Industrie und den Zulieferern. Die EN 71 mit ihren neun Teilen reiche, sagt er, der seine Farben und Lacke in alle Herren Länder vertreibt, völlig aus.

Der DVSI springt ihm da bei. Die Stuttgarter Lobbyisten betonten unlängst, dass die Sicherheit von Spielzeug "mit großem Abstand am umfassendsten geregelt ist." Zülch: "Die EN 71 ist praxisnah. Das Problem ist nur, dass die Grenzwerte für Fertigprodukte nicht eingehalten werden."

Und da genau liegt der Hase im Pfeffer. Der Verbraucher, räumt Zülch ein, sei angesichts der Komplexität der Materie völlig überfordert. Die diversen Prüfsiegel böten auch nur grobe Orientierungspunkte. So kritisiert Zülch vor allem das CE-Zeichen, das er für "wachsweich" halte. Besser seien da schon die GS und TÜV-Proof-Siegel, die aber Geld kosten.

Die letzte Prüfung seiner Farben schlug mit einem ordentlichen fünfstelligen Betrag zu Buche. Die Kosten für solche Tests dürften, befürchtet Zülch, nach dem Zusammengehen von LGA und TÜV Rheinland eher noch steigen. Aber auch den Verbraucher sieht er in der Verantwortung. Der, meint Zülch, müsse sich durchaus die Frage gefallen lassen, ob nicht der Spielwarenfachhandel eine Alternative zu Discountern und Kaffeeröstern sei, wo der Preis dominiere.

Die Zertifizierung sei aber nur das eine, die Kontrolle durch die internationalen Auftraggeber das andere. "Die Importeure sind in der Pflicht, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die alle Maßgaben erfüllen." Und da sieht Zülch das eigentliche Problem. Weit davon entfernt, chinesische Lieferanten in Bausch und Bogen zu verdammen, registriert der Farbenhersteller ein strukturelles Problem: mangelnde Transparenz in der Prozesskette im Land der Mitte.

Er spricht von "Informations- und Kommunikationsdefiziten." Alles eine Mentalitätsfrage? Zülch: "In China haben wir die prinzipielle Tendenz, dass Informationen überhaupt nicht oder so wenig wie möglich weitergegeben werden." Zülch setzt bei seinen Farben lieber auf Nummer sicher, zu sehr hat man in Osterode Bammel vor negativen Schlagzeilen.

"Eine Schlagzeile wie 'Giftige Farben von Zülch', das macht im Nu die Runde um den Globus." Aus "Eigeninteresse" sei man deshalb besonders pingelig. "Wir diskutieren nicht über die Vorgaben des Gesetzgebers. Wir lassen aus Prinzip alles weg, was nicht unbedingt rein muss." Man weiß ja nie, was in drei Jahren sein wird, meint der Farbenhersteller.

Was heute als unbedenklich gilt, kann morgen schon Teufels Zeug sein. Nicht einmal Konservierungsstoffe verwenden die Harzer. Das geht zwar auf die Haltbarkeitsdauer, beruhigt aber die Nerven. "Von jeder Charge," sagt Zülch, "deponieren wir ein Rückstellmuster. Wenn was sein sollte, können wir nachweisen, dass es nicht an unseren Farben lag." Vertrauen ist gut, Kontrolle eben besser.

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